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05 - Katschhof

Stummer Protest

Die Aachener Heiligtumsfahrt wird seit dem Mittelalter alle sieben Jahre veranstaltet. Bei ihr verehren Katholiken verschiedene Reliquien, die im Aachener Dom aufbewahrt werden. Die Heiligtumsfahrt 1937 hatte einen besonderen Charakter. War die katholische Kirche den Nazis gegenüber vor 1933 öffentlich ablehnend gegenüber eingestellt, änderte sich ihre offizielle Haltung nach nach dem Reichskonkordat, das die weltliche Politik zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl regeln sollte.

Warnten vor 1933 die meisten Bischöfe und Priester in ihren Predigten die Gläubigen vor dem Nationalsozialismus, so riefen sie später vermehrt zur Treue gegenüber der vermeintlich rechtmäßigen Obrigkeit auf. Die Kompromissbereitschaft der katholischen Kirche gegenüber der nationalsozialistischen Regierung blieb als mäßigender Versuch katholische Strukturen zu erhalten langfristig ohne Erfolg. Die Politik der Nazis wandte sich immer mehr gegen die katholische Kirche. Priester wurden von der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei, beobachtet und mussten sich für ihre Predigten verantworten, gleichzeitig gab es Geistliche, die mit dem NS-System sympathisierten. Durch die wechselhafte Politik der katholischen Kirche wurden viele Gläubige in ihrer Haltung zum NS-Staat stark verunsichert. Beide Systeme hatten einen konträren Totalitätsanspruch an die einzelnen Personen, die Unvereinbarkeit zwischen Katholizismus und Nationalsozialismus fiel in weltpolitischen Fragen stark auf. 

Die Vereinheitlichung des öffentlichen Lebens und der sogenannte Kirchenkampf der Nationalsozialisten führte letztlich dazu, dass immer mehr Klöster geschlossen, Ordensleute vertrieben und kirchliche Vereine aufgelöst werden mussten. Vor dieser politischen Auseinandersetzung fand 1937 wieder eine Heiligtumsfahrt in Aachen statt. In der Vorbereitungsphase hatten die Kirche zunächst sogar überlegt, die Veranstaltung abzusagen.

Sie befürchtete, dass wegen der kirchenfeindlichen Propaganda der Nazi-Partei vielleicht nur wenige Gläubige nach Aachen kommen würden. Außerdem behinderten die Behörden fast alle Vorbereitungen. Werbung durfte nur eingeschränkt gemacht werden, es gab kein offizielles Heiligtumsfahrtbüro, es fehlten Unterkünfte und die Genehmigungen für öffentliche Predigten. Die Zahl der Pilger, die dann kamen, übertraf allerdings alle Erwartungen. Auch wenn die Zahl von etwa 800.000 bis 1.000.000 Wallfahrern nie offiziell bestätigt wurde, so ist zahlreichen Quellen und auswärtigen Zeitungen zu entnehmen, dass 1937 eine der meistbesuchten Heiligtumsfahrten stattfand. Die Nazi-Presse, wie der „Westdeutschen Beobachter“ in Aachen, schwieg die Heiligtumsfahrt tot. Schon im Vorfeld hatte dieses Blatt Spottgedichte und abfällige Berichte veröffentlicht.

Auffällig war, dass sich unter die Gläubigen auch andere Aachener mischten, die damit ihren Protest gegen die Nazis demonstrieren wollten. Kirchenlieder wurden mit veränderten, nazi-feindlichen Texten gesungen. Die Predigten von Bischöfen, deren ablehnende Haltung den Nazis gegenüber bekannt war, wurden besonders stark besucht. Allerdings waren nicht wenige Menschen auch von ihren Bischöfen enttäuscht, weil die Predigten vollkommen unpolitisch gehalten waren. Ganz im Gegensatz zu ihrem sonstigen Auftreten, waren Parteimitglieder in Uniform während der Heiligtumsfahrt nicht in der Stadt zu sehen. Auch die Polizei hielt sich auffällig zurück. Die Aachener Heiligtumsfahrt von 1937 ging als der 'Stumme Protest' in die Geschichte ein. Sie zeigte, dass die katholische Kirche zwar in der Lage war, ihre Gläubigen in großer Zahl zu mobilisieren, dass sie gleichzeitig aber unfähig oder nicht bereit war, sich in der Öffentlichkeit gegen die NS-Führung zu positionieren.

Ergänzungsliteratur:

Casteel, Winfried; Hugot-Zgodda, Yvonne: Stummer Protest - die Heiligtumsfahrt 1937, in: Volkshochschule Aachen (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des
Nationalsozialismus in Aachen, Aachen 2012.

Emunds, Paul: Der stumme Protest, Aachen 1963.

    

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