Wir über uns


 

 


Wie alles anfing



Seit 1994 hatten sich einzelne Bürger, Parteien, Initiativen und andere Gruppen in verschiedenen Anträgen oder Anfragen an den Rat und die Verwaltung der Stadt gerichtet mit dem Wunsch, in Aachen verschiedene Gedenktafeln oder ein zentrales Mahnmal für die Opfer der NS-Diktatur aufstellen zu lassen.
Vor diesem Hintergrund nahm der Rat der Stadt Aachen im Oktober 1996 einstimmig einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen von CDU, SPD und Grünen an, "Wege gegen das Vergessen" durch das Aachen der Nazizeit erarbeiten zu lassen.
Die Konzeption für dieses Projekt wurde auf Wunsch des Rates und der Verwaltung von der Volkshochschule Aachen entwickelt, da bei ihr einschlägige Erfahrungen in der Bearbeitung der NS-Geschichte in Aachen vorlagen. Folgerichtig wurde auch die Durchführung in ihre Hände gelegt. Seit vielen Jahren ist die Beschäftigung mit der NS-Zeit, vor allem auch unter lokalgeschichtlichem Blickwinkel, fester Bestandteil des Programms der Volkshochschule Aachen. In Kursen, Vorträgen, Seminaren, Filmen und Ausstellungen vermittelt die Volkshochschule Kenntnisse und Einsichten über die Zeit der Nazidiktatur in Deutschland, und eben auch in Aachen. "Lernen aus der Vergangenheit für Gegenwart und Zukunft" ist das Leitmotiv dieser Arbeit. Zahlreiche Menschen aus dem Dreiländereck haben in den vergangenen Jahren an den "Alternativen Stadtrundfahrten" zu Stätten von Naziherrschaft, Verfolgung und Widerstand teilgenommen und so auch diese dunkle historische Seite ihrer Heimatstadt kennen gelernt.

Gedenken an Verfolgte und Ermordete

Leitgedanke der "Wege gegen das Vergessen" ist das Gedenken an Menschen, die durch die Nazidiktatur verfolgt oder ermordet wurden aus politischen, rassistischen, weltanschaulichen, religiösen und anderen Gründen. Thema ist zugleich die Beschäftigung mit Ignoranz, Mitläufertum, aber auch Unterstützung, ohne die die Nazidiktatur nicht so reibungslos hätte funktionieren können. Diese Erinnerungsarbeit will dabei helfen, aus der Vergangenheit zu lernen, um Gefahren für die Zukunft bannen zu können.

Das Modell der Bürgerpartizipation

Wesentlicher Bestandteil der Konzeption der "Wege gegen das Vergessen" ist das Modell der "Bürgerpartizipation", d. h. nach der öffentlichen Ausschreibung des Projektes waren alle interessierten Bürgerinnen und Bürger der Stadt eingeladen, sich an der konkreten Arbeit zu beteiligen. Im März 1997 begann dann diese Arbeit in vier Arbeitsgruppen, die sich mit den Themen Nazismus, Anpassung und Mitläufertum, Antisemitismus und Verfolgung der Juden, Verfolgung und Widerstand sowie Militarismus und Krieg.beschäftigten.

Zur Entwicklung des Projektes

Bereits Juni 1997 konnten erste Ideen der "Wege" im Kulturausschuss der Stadt vorgestellt werden. Im November 1997 wurden die Ergebnisse der Arbeit in einer Ausstellung in der Volkshochschule Aachen der Öffentlichkeit präsentiert.
1998 wurden die Ideen zu einem Konzept weiterentwickelt, das in verschiedenen Sitzungen im Kulturausschuss und in öffentlichen Veranstaltungen in der Volkshochschule zur Diskussion gestellt wurde. Das Konzept beinhaltet Gedenktafeln mit entsprechenden Texten an Orten in Aachen, die an Naziherrschaft, Verfolgung und Widerstand erinnern. Im August 1999 schließlich wurde dieses Konzept dem Rat der Stadt Aachen vorgelegt und von ihm einstimmig (bei einer Enthaltung) verabschiedet und die Umsetzung beschlossen. Im August 2000 wurde in einem Gespräch zwischen dem Oberbürgermeister, Vertretern der Fraktionen, der Verwaltung und der Volkshochschule bzw. des "Wege"-Projektes die vorgelegten Tafel-Texte einvernehmlich angenommen. Im Frühjahr 2001 übernahm Prof. Klaus Endrikat die künstlerische Gestaltung der einzelnen Tafeln. Anschließend begann die Produktion der Tafeln. Im Oktober 2001 wurde die erste Gedenktafel am Aachener Rathaus angebracht. Bis heute wurden 32 Tafeln an den vorgesehenen Orten angebracht.

Die "Wege gegen das Vergessen" haben sich mittlerweile zur dezentralen

NS-Gedenkstätte der Stadt Aachen entwickelt. Sie werden von der Volkshochschule Aachen getragen. Sie sind heute als Kompetenzzentrum in der Region anerkannt und geschätzt, wenn es um die Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus in Aachen und mit dem aktuellen Rechtsextremismus geht.
Seit 2008 sind die "Wege gegen das Vergessen" kooptiertes Mitglied im "Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW".
 


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